2016er – für den Weinvorrat geeignet?

Nachdem in den Medien die Besonderheiten eines neuen Weinjahrganges beschrieben wurden, überlegt auch der Besitzer eines Weinkellers oder eines Weinklimaschrankes, ob und welche jungen Weine man kaufen sollte, um sie dann entweder bald zu trinken oder aber noch einige Zeit aufzubewahren. Denn durch das Reifen auf der Flasche kann sich die Weinqualität oft verbessern, womit auch eine mögliche Wertsteigerung verbunden ist.

Bei den ersten Angeboten eines neuen  Jahrgangs handelt es sich überwiegend um leichte  Konsumweine, meist frische Weißweine, die bereits wenige Monate nach der Ernte getrunken werden können. Dies gilt ebenso für den roten Beaujolais Primeur oder andere populäre Nouveau-Weine. Sie befriedigen zwar die Neugierde auf den neuen Jahrgang, erlauben jedoch kaum verlässliche Rückschlüsse auf eine mögliche längere Reifeentwicklung. Derartige Prognosen ermöglichen erst Verkostungen von den Weinen, die noch längere Zeit einer Lagerung im Fass bedürfen ehe sie auf die Flasche gefüllt werden. Bei Rotweinen kann dies mindestens ein, oft auch mehrere Jahre dauern. Auch wenn Proben von Fassweinen den Experten bereits Hinweise auf eine längere gute Zukunft geben können –  Stärken und Schwächen eines neuen Jahrganges offenbaren sich oft erst einige Zeit nach seiner Abfüllung. Sofern man also das Risiko von Enttäuschungen aufgrund zu früher Kaufbereitschaft mindern möchte, ist geduldiges Abwarten vor der Kaufentscheidung ratsam. Lediglich bei Subskriptions-Offerten (vor allem für hochwertiger Bordeauxweine) bedarf es kurzfristiger Entscheidungen, um von günstigen Preisen zu profitieren.

Was nun den 2016er betrifft, sind  Überraschungen nicht ausgeschlossen. Dafür sorgte – vor allem in Deutschland – ein nicht unproblematisches Vegetationsjahr der Reben. Wo jahrgangsbedingte Mängel im Weinausbau nicht ausgeglichen wurden, ist kein überragender Wein zu erwarten. Insgesamt waren in den meisten europäischen Weinbauländern die Witterungsbedingungen jedoch gut bis gebietsweise sehr gut, so dass ordentliche Qualitäten zuweilen auch vorzügliche Spitzenweine geerntet wurden. Für längere Lagerung und somit für besondere Gelegenheiten liefert der 2016er passende, in einigen Regionen und Gütern sogar ideale Qualitäten. Und bis man sie erwerben und verkosten kann, sollte man noch auf Weine der Jahrgänge 2014 und 2015 zurückgreifen, die sich inzwischen vorzüglich entwickelt haben und eigentlich in keinem privaten Weinvorrat fehlen sollten.