Der Boden im Weinkeller

Zur professionellen Lagerung von Wein tragen nicht nur spezielle Regalsysteme sondern auch die bauphysikalische Beschaffenheit des Raumes bei. Sie ermöglicht optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die zur fachgerechten längeren Aufbewahrung des Weines unerlässlich sind.

Traditionell werden zur Weinlagerung Kellerräumlichkeiten genutzt. Während bei einem Neubau bereits im Planungsstadium der vorgesehene Weinkeller in Lage und Beschaffenheit für die künftige Nutzung ausgerichtet wird, muss er in bewohnten Gebäuden dafür oftmals um- und neugestaltet werden.

Den optischen Gesamteindruck des Raumes vermitteln nicht nur die Art der Weinregale, sondern auch Material und Farbgebung von Decke, Wänden und nicht zuletzt des Bodens. Kommen in den zukünftigen Weinkeller auch noch Tisch und Sitzgelegenheiten für die Weinverkostung, sollte die Gestaltung nochmals besondere Aufmerksamkeit erhalten.

Der Fußboden, insbesondere die Fläche, die durch Lagersysteme und evtl. Möblierung nicht bedeckt wird, schafft „Raumklima“ in mehrfacher Weise: Zum einen trägt er dazu bei, Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu beeinflussen, zum anderen prägt seine Beschaffenheit mit Farbe, Struktur, Dekor das Fluidum eines Weinkellers.

Erdkeller, die auf dichten Böden (Ton, Lehm) errichtet sind sowie auch alte Gewölbekeller bieten andere Voraussetzungen zur Anlage und Vorbereitung eines Weinkeller-Bodens als Neubauten, die meist auf Betonfundamenten erstellt werden. Während in traditionellen Kelleranlagen oftmals eine zu hohe Luftfeuchtigkeit für die Weinlagerung problematisch ist, bedürfen in heutiger Bauweise errichtete Keller mit relativ trockener Raumluft eine oft zusätzliche Regulierung des Raumklimas, zum Beispiel durch Kühlung, gelegentliches moderates Befeuchten des Bodenbelages oder Belüftung.

Für die Ausgestaltung des Weinkellerbodens steht ein bereits Spektrum von Produkten zur Verfügung, mit denen physikalische, gestalterische  und ökologische Aspekte des Raumes umgesetzt werden. Unter Berücksichtigung seiner Nutzung sollten bei der Material-Auswahl folgende Kriterien berücksichtigt werden:

Beschaffenheit (Stabilität, Belastbarkeit/Druckfestigkeit, Rutschfestigkeit, Strapazierfähigkeit der Oberfläche, Pflegeaufwand)

Struktur und Dekor des Materials (evtl. in optischer Anpassung an das Lagersystem)

Farbe (die Farbgebung des Lagersystems ergänzend oder kontrastierend). Helle Farben bewirken eine größere Raumwirkung, sind jedoch empfindlicher hinsichtlich Verunreinigungen (z. B. durch Rotweinflecken), dunkle Farben bieten entweder harmonische Ergänzung der Einrichtung oder dazu auch einen reizvollen Kontrast.

Mit Ausnahme von den als Fußbodenbelag im Weinkeller ungeeigneten textilen Materialien gibt es zahlreichen Möglichkeiten, die von kostengünstigen bis zu luxuriösen Varianten reichen:

Naturnahe Materialien:

Holz: Der traditionsreiche ökologische Baustoff für Fußböden reicht von Hartbelägen in Form des altbewährten großformatigen Dielenholz bis zum aufwendigen Parkett, wie es vor allem bei Nutzungen des Weinkabinetts als eleganter, wohnlicher Weinprobierraum verwendet wird. (Sogenannte keramische Holzfliesen werden nicht aus Holz erzeugt).

Holz vermittelt der Weinkellergestaltung eine warme und natürliche Note, zumal es auch in der Weinerzeugung im Holzfasskeller seit Jahrtausenden eingesetzt wird. Holzfässer bestehen meist aus Harthölzern wie Eiche, die aufgrund ihrer Haltbarkeit und Stabilität sowie perfekten Anpassung an das Raumklima für die Weinkeller-Fußboden ideal sind. Die für Barriquefässer verwendeten Fassdauben aus Eichenholz stehen nach aufwendiger spezieller Behandlung auch als Parkettboden für den Weinkeller zur Verfügung

Preisgünstige Holzbelag-Imitationen gibt es aus Laminat (hart aberempfindlich gegenüber Feuchtigkeit), sowie Vinyl bzw. PVC (druckempfindlich).

Korkboden: Wie der Weinflaschenkorken wird aus der Rinde der Korkeiche auch das Material für Kork-Fliesen oder -Parkett gewonnen. Beim reichhaltigen Farbangebot und spezieller Holz- bzw. Stein-Optik sollte man mittlere oder dunkle Farbgebung bevorzugen. Das Verlegen und Reinigen dieses allerdings druckempfindlichen Materials ist relativ unkompliziert.

Mineralische Beläge:

Sie zählen zu den „Klassikern“ unter den Weinkellerböden, da sie das Ambiente des Raumes deutlich beeinflussen.  Aufgrund ihrer Materialeigenschaften sind empfehlenswert:

Natur(werk)stein: Je nach Art setztet der Naturstein unterschiedliche Akzente bei der Raumgestaltung. Wegen ihrer spezielle Gebrauchseigenschaften kommt Keramik als glasierte Steinzeugfliesen oder Feinsteinzeug sowie grobkeramische  Pflasterklinker (Ziegel) in Betracht.

Besonders empfehlenswert für einen Weinkellerboden sind Ziegel. Ziegelsteine zeichnen sich durch eine poröse Struktur aus und können deshalb Feuchtigkeit besser aufnehmen – und auch wieder abgeben. Dank ihrer hohen Materialfestigkeit und sehr langen Lebensdauer zählen sie zu den traditionellen, besonders geeigneten Böden des Weinkellers, zumal sie auch zum optimalen Raumklima beitragen. Das farbechte und farbbeständige Material bietet Schutz vor Abrieb und Kratzer. Unterschiedliche keramische Farben ermöglichen prägnante Fugenbilder zum Beispiel als Mosaik, im Ellenbogenverband oder Fischgrätmuster. Verlegt werden sie vorzugsweise im Splitt, aber auch im Mörtelbett auf Unterbeton. Versiegelte Ziegel erleichtern die Reinigung des Bodens.

Eine reizvolle Alternative bieten Steinteppiche aus gerundeten Marmorkieseln in unterschiedlichen Körnungen und Farben.

Kalkhaltige Natursteine sind auch Granit und Basalt, die aufgrund ihrer Härte stark belastbar sind, sowie Marmor, der allerdings wegen seiner Fleckenempfindlichkeit (z. B. Rotwein) für das Weinkabinett wenig geeignet ist.

– Tonschiefer besitzt zum Wein eine gewisse Beziehung, da die Riesling-Weinberge an Mosel, Saar und Ruwer, Mittelrhein und Ahr aus Devonschiefer bestehen. Als Baustoff für den Weinkellerboden zeichnet er sich durch hohe Widerstandsfähigkeit aus. In seinen Farben dominieren grau bis schwarz, seltener sind rötliche oder grünliche Farbtöne. Als Bodenbelag sollte man wegen der Rutschgefahr strukturierte Oberflächen bevorzugen. Für pflegeleichte Böden werden imprägnierte Platten verwendet. Eine Alternative bietet Feinsteinzeug aus imitiertem Schiefer (mit Schieferoptik).

Sicht-Estrich: Das Fundament aus Beton- oder Zement-Estrich wurde vormals fast ausschließlich im gewerblichen Bereich als Boden genutzt. Aufgrund seiner materialtechnischen Vorzüge und kostengünstigen Gestaltung wird geschliffener, gefärbter und versiegelter Estrich inzwischen immer häufiger auch in Wohnmobilien verwendet. Seine fugenlose, glatte Oberfläche ist pflegeleicht und nahezu unbegrenzt haltbar.

Fliesen in Naturstein-Optik zeichnen sich gegenüber Marmor, Granit oder Schiefer durch ihre geringere Stärke aus, die das Verlegen vereinfacht. Sie sind zudem gleichmäßig in Farbe und Oberfläche, pflegeleicht und relativ preisgünstig.

Bei der Wahl des für den Weinkeller geeigneten Fußbodens können schließlich auch Materialen berücksichtigt werden, die besonders für den Außenbereich geeignet sind (z. B. robustes Teakholz).